Reichelsheimer Märchen- und Sagentage 2011

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Letzte Aktualisierung:
08.11.2011

Wildweibchenpreis: Märchenkrone geht an Wissenschaftler
Jury der Sagentage vergibt angesehene Auszeichnung
an den Marburger Wilhelm Solms

Diese Jury entscheidet über die Auswahl der Preisträger des Wildweibchenpreis - Mitglieder v.l.n.r. Bürgermeister Stefan Lopinsky Ralf Nölling (OJC) Beate Wallerius (GAZ) Anja Hering Kreisarchivarin Ellen Schmid Buchhändlerin Wolfgang Nicklas Leiter Gemeindebücherei Hannelore Zissel Grundschule Gerd Lode Bürgermeister i.R. Nach einem Illustrator und einer Erzählerin rückt ein Märchen- Wissenschaftler in den Blickpunkt der Freunde jedweder fantastischer Literatur. Denn das Komitee zur Vergabe des Reichelsheimer Wildweibchenpreises hat diese bundesweit beachtete Auszeichnung für 2011 Wilhelm Solms (Marburg) zuerkannt. Im Hinblick auf die nächsten Märchen- und Sagentage, die vom 28. bis 30. Oktober 2011 angesetzt sind, hat die Jury diese Entscheidung nun bekannt gegeben.

Preisträger 2011 Professor Wilhelm Solms   Foto: pdh/privatDie Verleihung des Jugendbuchpreises und der Auftritt seines Trägers gehören nicht nur alljährlich zu den Höhepunkten dieses Festivals, sondern tragen auch wesentlich zum guten Ruf der Odenwälder Veranstaltung bei Fachwelt und Publikum weit über die Region hinaus bei.

Wie die Reichelsheimer Presseagentur pdh für die Gemeinde berichtet, lehrte der 73 Jahre alte Wilhelm Solms als Professor für Neuere deutsche Literatur an der Philipps-Universität in Marburg. Die Wahl der acht Reichelsheimer Juroren für die 16. Verleihung des Preises fiel einstimmig auf ihn mit der Begründung, der Hesse habe sich als Wissenschaftler und langjähriger Vizepräsident der Europäischen Märchengesellschaft einen internationalen Ruf im Genre der Märchenforschung erworben.

Solms hat zahlreiche Märchentagungen geleitet und viele international anerkannte Beiträge zur germanistischen Märchenforschung veröffentlicht. Zwei seiner Publikationen befassen sich inhaltlich mit den Themen der diesjährigen sechzehnten Reichelsheimer Märchen- und Sagentage „Böser Wolf und rote Rosen – Tiere und Pflanzen im Märchen“.

Als Solms vom Reichelsheimer Bürgermeister Stefan Lopinsky über die Auszeichnung informiert wurde, reagierte er nach dessen Angaben zunächst völlig überrascht: „Als Philologe halte ich mich an die ,Oberfläche’, den Wortlaut, und spekuliere nicht darüber, was dahinter stehen könnte. Deshalb werden meine Kommentare von psychologisch oder pädagogisch orientierten Märchenforschern für oberflächlich gehalten“, erklärte er, um hinzuzufügen: „Nachdem ich im Internet die Namen der bisherigen Wildweibchenpreisträger gelesen hatte, fühlte ich mich in dieser Gesellschaft wohl und durch die Auszeichnung hoch geehrt.“
Eingereiht sieht sich der Wissenschaftler mit der Preiszuerkennung in eine Liste mit den Namen Willi Fährmann, Hans-Christian Kirsch (Frederik Hetmann), Otfried Preußler, Michail Krausnick, Cornelia Funke, Paul Maar, Christine Nöstlinger, Sigrid Früh, Heinrich Pleticha, Erhard Dietl, Heinz Rölleke, Sabine Friedrichson, Kirsten Boie, Hannelore Marzi und Reinhard Michl. Ellen Schmid vom Organisationsteam und Jurymitglied stellte dem neuen Preisträger eine Frage, die sie als Buchhändlerin bewegte: „Gibt es eine Gruppe von Märchen, die Ihnen besonders am Herzen liegt, oder gibt es Gemeinsamkeiten und ähnliche Elemente zwischen den einzelnen Gruppen?“

Freude über die getroffene Wahl herrschte bei der Jury zur Vergabe des Reichelsheimer Wildweibchenpreises (von links: Bürgermeister Stefan Lopinsky, Ralf Nölling von der Offensive Junger Christen, Beate Wallerius von der Georg-August-Zinn-Schule, Anja Hering vom Kreisarchiv, Buchhändlerin Ellen Schmid, Wolfgang Nicklas von der Gemeindebücherei, Hannelore Zissel von der Reichenberg-Grundschule und der frühere Bürgermeister Gerd Lode) nach der Entscheidung für de Märchenwissenschaftler Wilhelm Solms (Marburg).
Fotos oben: Wolfgang Hörnlein

Wie Wilhelm Solms antwortete, faszinieren ihn als Forscher und Liebhaber von Märchen besonders die Schwankmärchen. Dies, weil der Held nicht nur Größere und Stärkere besiege, wie der Held der Tierschwänke, sagt Solms, sondern sogar dämonische Wesen wie Teufel, Riesen oder Drachen nicht dank wunderbarer Hilfe besiegt würden, wie der Held oder die Heldin der Zaubermärchen, sondern durch Klugheit und Mut. Märchen dieser Art interessieren Solms auch deshalb, weil vom Erzähler ein Höchstmaß von Geist und Fantasie gefordert werde, damit die Überlistung des übermächtigen Gegners für die Zuhörer oder Leser plausibel sei, wie beim „Tapferen Schneiderlein“.

DE 26.05.2011

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