Reichelsheimer Märchen- und Sagentage 2011

Copyright © 2011
 Ch. und K. Frank,
christa@frank-laudenau.de,
Letzte Aktualisierung:
08.11.2011

Aus der Feder von pdh (Pressedienst Dieter Hörnlein)

Logo pdh

64385 Reichelsheim
Langlosenweg 11
Tel.: 06164-54689
Fax: 06164-54688
pdh@pressedienst-hoernlein.de

23.05.2011

-djv-    -vds-    -aips-

Prof. Wilhelm Solms ist Wildweibchenpreisträger 2011
Der 16te Preisträger ist ein Wissenschaftler

Diese Jury entscheidet über die Auswahl der Preisträger des Wildweibchenpreis - Mitglieder v.l.n.r. Bürgermeister Stefan Lopinsky Ralf Nölling (OJC) Beate Wallerius (GAZ) Anja Hering Kreisarchivarin Ellen Schmid Buchhändlerin Wolfgang Nicklas Leiter Gemeindebücherei Hannelore Zissel Grundschule Gerd Lode Bürgermeister i.R.Die Jury der Reichelsheimer Märchen- und Sagentage kürte ihren 16. Wildweibchen- preisträger. Diese Ehre wurde Prof. Wilhelm Solms aus Marburg zuteil, geboren 1937 in Lich / Hessen. Er war Professor für Neuere deutsche Literatur an der Philipps-Universität Marburg und befindet sich im Ruhestand. Die acht Juroren trafen ihre Entscheidung einstimmig, weil Prof. Solms sich als Wissenschaftler und langjähriger Vizepräsident der Europäischen Märchengesellschaft einen internationalen Ruf erworben hat.

WWPR2011_SolmsSolms hat zahlreiche Märchentagungen geleitet und viele international anerkannte Beiträge zur germani-  stischen Märchenforschung veröffentlicht. Zwei seiner Veröffentlichungen befassen sich inhaltlich mit den Themen der diesjährigen 16. Reichelsheimer Märchen- und Sagentage. Die Werke erschienen unter dem Titel "Tiere und Tiergestaltige im Märchen" und "Phantastische Welten".
Die Preisverleihung findet im Rahmen eines Märchenfestabends während der Märchen- und Sagentage statt, die in Reichelsheim vom 28. bis 30.10. 2011 unter dem Motto „Böser Wolf und rote Rosen – Tiere und Pflanzen im Märchen“ gefeiert werden.

Als Prof. Wilhelm Solms von seiner Auszeichnung durch den Reichelsheimer Bürgermeister Stefan Lopinsky erfuhr, war er zunächst völlig überrascht und reagierte mit den Worten: „Als Philologe halte ich mich an die „Oberfläche“, den Wortlaut und spekuliere nicht darüber, was dahinterstehen würde. Deshalb werden meine Kommentare von psychologisch oder pädago- gisch orientierten Märchenforschern für oberflächlich gehalten. Dabei versuche ich bei der Bestimmung der Lehre, die sich aus dem Verlauf der Handlung ergibt, bei der Unterscheidung der Märchengenres u. a. an den Brüder Grimm und an die Standardwerke von Lüthi und Röhrich aus dem fünfziger Jahren anzuknüpfen. Nachdem ich im Internet die Namen der bisherigen Preisträger gelesen hatte, fühlte ich mich in dieser Gesellschaft wohl und durch die Auszeichnung hoch geehrt.“

Ellen Schmid vom Organisationsteam und Jurymitglied stellte dem neuen Preisträger eine Frage, die sie als Buchhändlerin bewegte: „Herr Professor Solms, Märchen nehmen in Ihrem umfangreichen Werk einen großen und wichtigen Raum ein. Sie haben sich mit Märchen der Brüder Grimm, mit Blumen- und Tiermärchen und mit Zigeunermärchen beschäftigt. Gibt es eine Gruppe von Märchen, die Ihnen besonders am Herzen liegt oder gibt es Gemeinsamkeiten und ähnliche Elemente zwischen den einzelnen Gruppen?“

Prof. Wilhelm Solms antworte tiefgründig. „Mit Blumenmärchen habe ich mich noch nicht befasst, umso mehr freue ich mich auf die betreffenden Vorträge. Unter den mitunter problematischen Märchen von Clemens Brentano gefällt mir „Das Märchen vom Myrtenfräulein“. Brentano findet selbst für offensichtliche Wunder wie die Verwandlung der Myrte in ein zartes Mädchen eine Begründung: Die „Bewohnerin“ der Myrte nimmt menschliche Gestalt an, denn ihr Dank für die Zuneigung des Prinzen „ist so gewachsen, dass er keinen Raum mehr in diesem Baume hatte“.

Als Forscher und Liebhaber der Märchen faszinieren Solms besonders die Schwankmärchen. Dies, weil der Held nicht nur Größere und Stärkere besiege, wie der Held der Tierschwänke, sagt Solms, sondern sogar dämonische Wesen wie Teufel, Riesen oder Drachen nicht dank wunderbarer Hilfe besiegt würden, wie der Held oder die Heldin der Zaubermärchen, sondern durch Klugheit und Mut.

Diese Art Märchen interessieren Prof. Wilhelm Solms auch deshalb, weil vom Erzähler ein Höchstmaß von Geist und Phantasie gefordert werde, damit die Überlistung des übermächtigen Gegners für die Zuhörer oder Leser plausibel sei, wie beim „tapferen Schneiderlein“.

Mit Prof. Wilhelm Solms wird nach einem Illustrator und einer Märchenerzählerin wieder einmal ein Märchen-Wissenschaftler mit dem begehrten Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Er reiht sich damit in die Liste der Preisträger ein mit Willi Fährmann, Hans-Christian Kirsch (Frederik Hetmann), Otfried Preußler, Michail Krausnick, Cornelia Funke, Paul Maar, Christine Nöstlinger, Sigrid Früh, Heinrich Pleticha, Erhard Dietl, Heinz Rölleke, Sabine Friedrichson, Kirsten Boie, Hannelore Marzi und Reinhard Michl.

pdh 23.05.2011

[Hauptseite] [Sponsoren] [Anfahrt] [Programm] [Mittelaltermarkt] [Kontakt] [Gästebuch] [Impressum]
Informationen  bei Jochen Rietdorf, Gmd. Reichelsheim, Bismarckstraße 43,
64385 Reichelsheim,
maerchentage@reichelsheim.de,Telefon 06164 / 508-26